Harald Bichler – Galerie Rauminhalt

„Ich habe schon als Kind Möbel gerückt“ ein Besuch in der Galerie Rauminhalt bei Harald Bichler

Außer gewöhnlich ist die Galerie Rauminhalt in jedem Fall – hinter dem schönsten Portal der von vielfältigen Initiativen und Klassikern belebten

Schleifmühlgasse tritt man in die hellen Galerieräume. Ich bin mit ihrem Gründer Harald Bichler verabredet und möchte für den WIEN PRODUCTS Blogbeitrag gern hinter die Kulissen schauen.

Bei meinem Besuch läuft gerade die Ausstellung von Georgia Cremer. Organische Gebilde füllen Leinwände oder sind abstrahiert als Tapetenmuster auf den Untergrund gebracht – sogar ein Sitzmöbel übernimmt die Form.

Alles ist unaufgeregt konzentriert – der Betrachter hat Raum und Zeit, sich mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen.

Harald Bichler kommt mir entgegen und schon sind wir mitten im Gespräch. Ich will wissen, wie es 2003 zur Gründung der Galerie mit dem ungewöhnlichen Namen und dem wohl in Österreich einzigartigen Konzept kam und bekomme als Antwort ein Lachen und den Satz: „Ich will sehr viel wissen über das Ganze!“.

Was er mit „das Ganze“ meint, folgt unmittelbar darauf. Harald Bichler hat schon als Kind Möbel gerückt und ein besonderes Harmoniebedürfnis für Objekte im Raum gehabt. Mit seinem Galeriekonzept will er einen anderen Blick auf das Thema Wohnen werfen – es praktisch philosophisch aufarbeiten. Er sieht sich als Schnittstelle zwischen Architektur, Möbelgestaltung und Bildender Kunst – möchte Besucher dazu bewegen, ihren Blickwinkel zu ändern.

Er arbeitet mit ganz unterschiedlichen Künstlern und Designern, wie Daniel Spoerri oder Wiener Designern wie Patrick Rampelotto und Sebastian Menschhorn zusammen und besetzt dadurch verschiedene Themenbereiche der Kultur. Sie regten mit ihren Objekten an, über neues Wohnen nachzudenken und das Leben in Räumen als Kultur aufzufassen.

Während wir miteinander plaudern, betritt eine Gruppe Studenten die Galerie. Sie kommen aus Salzburg,studieren an der dortigen Fachhochschule Raumplanung und Design. Neugierig betrachten sie die Exponate und kommen ohne Umschweife mit dem Galeristen ins Gespräch, stellen Fragen, diskutieren Positionen und hören aufmerksam zu.
Es geht ihm um die Vermittlung – den Dialog erklärt mir Harald Bichler, nachdem die Studenten weiter gezogen sind. „Ich habe oft Besuch von Studierenden aus Linz oder Salzburg“ erzählt er. Er sieht sich einerseits als Mittler zwischen Künstlern, Handwerkern und Kunden – andererseits geht es um Anregungen zum Wohnen in der Zukunft. Materialien – wie Tapeten für den Außenbereich sind inzwischen keine Spinnerei mehr, sondern Realität.

„Wechselnde Arbeits- und Wohnorte erfordern in Zukunft sicher noch mehr Flexibilität beim Wohnen“ erklärt er mir und meint anschließend „starre Gefüge tun weh.“

Zu Harald Bichler kommen Menschen, die sich für besondere Wohnverhältnisse interessieren – schließlich kann man alle Ausstellungsstücke kaufen, bzw. werden Objekte auch individuell für Kunden gefertigt.

Ich frage nach seinen Plänen für dieses Jahr und erfahre, dass jährlich zwischen 12 und 20 Ausstellungen stattfinden – letztes Jahr waren es 16.
Für die allernächste Zukunft sind eine Buchpräsentation über die Architektur der Siebziger Jahre geplant und am 6. Juni wird schon die nächste Ausstellung eröffnet – der 1953 in Salzburg geborene Jakob Gasteiger stellt dann bis Ende Juli seine Arbeiten aus. Ich werfe einen Blick in die Vorankündigung und bin begeistert. Das wird ein spannender Sommer in der Galerie RAUMINHALT.

Zum Abschluss unseres Gesprächs frage ich Harald Bichler, wie er sich selbst als Wohntyp beschreiben würde und bekomme eine klare Antwort: „Es sollte keine Einschränkung geben und man braucht Freiheit im vollen Bewusstsein des Scheiterns.“.
Ein philosophischer Schlusssatz.

Wir verabschieden uns und ich trete wieder vor das Portal, das aus grauem Marmor gestaltet wurde und sich wohltuend aus der Masse heraushebt.

Die Qualität der Ausstellungskonzepte sind in jedem Fall einen Spaziergang zur Galerie Rauminhalt in die Schleifmühlgasse wert.